Diesmal: Villa „E96“, Hamburg, gegen Sharp Center for Design, Toronto, Kanada
hoher Altmetallwert, außenliegende Heizkörper

Hier hat der liebe Gott, als er weiße Zuckerbäcker-Villen satt war, einen Haufen Altmetall auf Hamburgs feine Elbchaussee gesetzt und einfach mal abgewartet, ob Humanoide den für ein Gebäude halten würden. Einer von ihnen, Architekt von Beruf, durchwühlte den Haufen, schweißte die Teile nach dem Zufallsprinzip zusammen und firmierte fortan mir nichts, dir nichts als Schöpfer der „Villa E 96“. Die habe er persönlich im Stil des „poetischen High-Tech-Barock“ entworfen. Da überließ ihm Gott, perplex von so viel Chuzpe, die Urheberrechte. Nun kann in einem Messing- und Aluminium-Amalgam, das aussieht wie die Kassenarzt-Sanierung eines kariösen Pottwal-Gebisses, beim besten Willen niemand wohnen. Deshalb wird die „Designer-Villa“ heute tageweise vermietet – für sogenannte Events wie etwa die Wahl der Miss Dessous 2009 des Orion-Sexversands. Angesichts der außenliegenden Heizkörper war es weise, dass die Kür der Halbnackigen nicht im Winter erfolgte. Mutige Charakterisierung des Architektur-Klumpens in einem PR-Käseblättchen: „In dem Bauwerk wurden Kunst, High-Tech und Ökologie verbunden.“

Dauerstreik der Straßenbahnfahrer für Riskoprämien

Wer unter diesem „Dach“ studiert, muss sich fühlen wie Asterix und Obelix, deren größte Sorge es war, der Himmel könne ihnen auf den Kopf fallen. Im Jahr 2004 erhielt das altehrwürdige Ontario College of Art & Design in Toronto seinen zweigeschossigen Deckel vom Architekten Will Alsop sowie Robbie/Young + Wright Architects. Der weiße, verpickelt gepunktete Quader kostete 42,5 Millionen kanadische Dollar, steht dafür aber auf 26 Meter hohen Stelzen, die fatal an ein gleich zu Ende gehendes Mikado-Spiel erinnern. Die Ausstellungsräume und Hörsäle dort oben vermitteln auf diese Weise das Gefühl unerträglicher Leichtigkeit des Noch-Seins. Andererseits: ein realistisches Menetekel für Kunst- und New-Media-Studenten, deren luftige Ambitionen nur allzu bald auf dem harten Asphalt des Berufslebens aufschlagen werden. Dem armen alten Giebelbau dort unten verpasste man mit den übriggebliebenen 18,90 Dollar schnell noch einen laubfroschgrünen Anstrich der Fensterrahmen und Dachfirste. Damit sich die Welt nach dem Crash bestätigt fühlen darf: Kanada und Kunst, das ging ja von vornherein gar nicht.

Das waren die Kandidaten. Leser, jetzt sind Sie dran:

Welches Bauwerk ist schöner hässlich?
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