Unsere Welt ist klein geworden. So klein wie eine Gummizelle: gut gepolstert, ausbruchssicher, überfüllt. Ein Elektroschock am einen Ende pflanzt sich bis zu den Insassen am anderen Ende fort. Und wir stecken mittendrin – woran TWASBO in dieser Reihe erinnert.

Ach komm, lass uns noch mal am Irrsinn unserer Zeit delektieren, bevor der Große Satan vielleicht schon morgen die Bombe zündet! Auf geht’s:

Heute ist der 8. März, Weltfrauentag. Wenn ich das schöne Geschlecht wäre (offensichtlich bin ich’s nicht), dann wäre es mir unangenehm, wie auf diesem Foto als Zielgruppe bombardiert zu werden. Es wäre mir sogar mordspeinlich. Ich würde vor Scham – ein früher vor allem weiblich gelesener Gefühlszustand – in Grund und Boden versinken. Und ich würde vor diesem Triptychon auf einem Hamburger S-Bahnsteig keinesfalls auch noch innehalten, um es zu fotografieren. Aber ich tu’s, denn was hab ich als Mann noch zu verlieren.

Fangen wir mit dem Mittelteil an, der noch am wenigsten cringe ist. Falls bisher niemand auf die Idee gekommen wäre, dass Frauen und Mädchen eigentlich das starke Geschlecht verkörpern (während Männer und Jungs total unterbelichtet sind und nur Schaden anrichten): Die Hörspielreihe Elea Eluanda führt uns in die Welt einer wahren Heldin© ein. Es geht um ein vom Schicksal hart gebeuteltes und strukturell diskriminiertes Mädel, das trotzdem und jetzt erst recht … ach, Sie kennen das doch bis zum Überdruss.

Leider auch bis zum Überdruss kennen Sie vermutlich das auf den anderen beiden Plakaten thematisierte Gebot, dass starke Frauen ihre Sexualität schamlos und offensiv auszuleben haben. Wenngleich in der Praxis nur mit sich selbst, weil der zeitintensive Job als Führungskraft im Hafen- und Logistikkonzern sowie die unterbelichteten, nur Schaden anrichtenden Männer nun mal nichts anderes zulassen. Macht nix: Hauptsache, die mechanische Triebabfuhr kommt just in time! Aber ist das Produktversprechen eines ORIGINAL ORGASM© markenrechtlich auch unanfechtbar? Soweit ich mich erinnere, stammt der O. O. eher aus der Epoche „Was Großmutter noch wusste.“ Wenn nicht Adams Eva.

Sie wissen vielleicht, dass ich Fan des britischen Tier- und Naturfilmers David Attenborough bin (möge er im Mai seinen 100. Geburtstag feiern!). Der unermüdliche Sir David hatte nun eine neue Tier-Doku in der BBC, und zwar über die ebenso wilde wie wundersame Fauna seiner Heimatstadt London. Klar, dass dazu jede Zeitung von Format eine TV-Kritik schreiben musste. Unter diesen Pflichtblättern ist mein ewiger Champion bekanntlich der Guardian, das Kampforgan für Champagner, Sozialismus und die Befreiung der Transfrauen von J. K. Rowling. Würde es also die Guardian-Rezensentin schaffen, in einem Text über den hundertjährigen Sir David und verschiedene Tierarten das Wort „Vagina“ unterzubringen?

Jawohl! Autorin Chitra Ramaswamy zog aus dem Film die Erkenntnis, dass „das Geheimnis eines guten Lebens nicht in einer Reinigung von Parasiten oder in einer Gesichtsbehandlung für deine Vagina besteht – sondern in der Bewunderung dessen, was man auf der eigenen Türschwelle findet“. Und „Gesichtsbehandlung“ ist die in diesem Fall sinnfreie, aber wenigstens auch jugendfreie Variante der Übersetzung von „facial“. Bitte, ich zitiere das nur. Lesen und interpretieren Sie doch selbst!

Apropos. Es hat sich herumgesprochen, dass die jüngste Serientochter im TV-Franchise Star Trek, „Star Fleet Academy“, endgültig auf den woken Hund gekommen ist. Genau genommen ist das vermutlich KI-generierte Skript von den (ehemaligen) Fans bereits in Grund und Boden verspottet worden. Ernsthaft, Kuscheldecken auf dem Kommandant*innen-Sessel der Enterprise? Body Positivity im Weltall? Aliens of Color? Emotionale Hypersensitivität im Gefecht? Okay, dann akzeptiere ich natürlich auch die neue äußere Gestalt des progressiven Raumschiffs. Und nenne sie vorsichtshalber „organisch“.

Man zwingt mich etwas zu tun, das ich nie wieder tun wollte: das grauenhafteste aller Klimakatastrophen-Wortspiele hier noch einmal zu bringen. Es gibt in Hamburg die Hochbahn-Haltestelle „Saarlandstraße“. Doch vorübergend wurde sie umbeannt:

Das Foto habe ich hier im November 2022 an den Pranger des gesunden Menschenverstandes gestellt. Damals konnte es sich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) nicht verkneifen, mittels dieser und ähnlicher Umfirmierungen einer ganzen Reihe von Stationsschildern „symbolischen Druck“ auf die Mitglieder einer gleichzeitig tagenden Klimaschutzkonferenz auszuüben. Denn seit Amtsantritt von Anna-Theresa Korbutt als Co-Geschäftsführerin im Jahr 2021 ist der HVV ein Medium mit einer Mission und erst in zweiter Linie ein Beförderungsunternehmen.

Persönlich muss die Spitzenmanagerin dieses Staatsbetriebs, deren Kompetenz ansonsten besonders in der medialen Selbstinszenierung liegt, beim Klimaschutz leider ein paar Abstriche machen. Denn ihr Lebensschwerpunkt ist nicht in Hamburg, sondern in Wien. Und da reist man dann halt beruflich notgedrungen hin und her und hin und her und außerdem natürlich noch zu all den leidigen Tagungen und Meetings anderswo. Um dabei nicht allzu viel kostbare Lebenszeit zu verlieren, die am Ende der Work-Life-Balance fehlt, bleibt da nur das Flugzeug.

Erstaunlicherweise brachte das Korbutt selbst in der linksgrünfeministischen Hansestadt zuletzt vernehmbare Kritik ein – natürlich von „rechts“. Aber dieser Hetzkampagne gegen die Frau, die auch als mögliche neue Bahnchefin ins Gespräch gebracht worden war, ist längst der Boden entzogen. Denn niemals und keinswegs hatte sie bei Antritt des Jobs 2021 „versprochen“, von Wien nach Hamburg umzuziehen, sondern selbiges nur angekündigt, was etwas ganz anderes ist. Auch darf man zwar laut HVV-Betriebsvereinbarung nur maximal vier Wochen im Jahr vom Ausland aus arbeiten, aber von Wien aus gesehen ist Österreich ja überhaupt kein Ausland, wie jeder selbst auf einer handelsüblichen Weltkarte nachprüfen kann. Diese beiden Argumente der Verteidigung standen unwidersprochen im Hamburger Abendblatt. Das ist das Niveau.

In einer seiner Apps gab sich der HVV übrigens den Slogan „Alles außer fliegen.“ Und wie es aussieht: Fliegen wird die First Lady des HVV wegen dieser Flugaffäre nicht.

Zeitgemäß gegenderte Bäuerinnenkalendersprüche für die spätfeministische Epoche, Folge 108:

Um zum Schluss aber noch einmal auf den heutigen Feiertag des Feminismus zurückzukommen: Selbst im Jahr 2026 herrscht immer noch eine drastische Geschlechter-Ungerechtigkeit in der Politik, worauf die Schöpferin dieses Protestplakats vor dem Hamburger Rathaus hinweist. Mit dem untrüglichen Beweismittel der Fotografie entlarvt sie das dargestellte Narrativ des Patriarchats, denn wie jeder sehen kann, sitzen ausschließlich Kerle in unseren Parlamenten:

Raffiniert: Ein einziges Foto aus dem Jahr 1972 lässt das ganze männliche Lügengebäude einstürzen!