Wir lesen ja alle viel zu wenig andere Meinungen. Über die wirklich wichtigen Themen, soll das heißen. Über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Eben alles, wo man nicht automatisch einer Meinung ist. Wo sich aber durch Kenntnisnahme anderer Stimmen gerade die neuen Perspektiven eröffnen würden, die vielleicht doch noch einmal so etwas wie Evolution und Aufklärung voranbringen könnten. Wahlweise auch den Weltfrieden.

Und außerdem sterben (mal wieder) die Blogger aus. Jene Fixsterne in der GummizelleUnendlichkeit des Raums, die uns Licht, Wärme und Orientierung versprechen, wenn wir ein virtuelles Lagerfeuer in der Dunkelheit suchen.

Aus diesen beiden gewichtigen Gründen habe ich mir den Blogger-Hürdenlauf ausgedacht. Er funktioniert etwas anders als die bekannte Veranstaltung, bei der ein Blogger ein Thema oder einen Fragebogen bearbeitet und dann an einen anderen, ihm nahe stehenden, weiterreicht.

Nein, hier geht es darum, fremde Blogs kennenzulernen. Also auch sehr fremde Blogs. Fremde Ansichten. Hürden, über die man vielleicht erst mal springen muss. Dann zu sehen, was das mit einem macht. Das dann kurz zu protokollieren. Währenddessen herauszufinden, wohin es einen aus der Kurvetrug. Und zu reflektieren, warum man jetzt genau diese Hürden und keine anderen genommen – oder gerissen – hat.

Und am Ende, wer weiß, kommt man mit einem oder der anderen dieser Blogger dann sogar ins Gespräch. Wo das wohl hinführt? Im Kreis herum? In die Irre? In den Wahnsinn? In eine Sackgasse? In Ecken des Internets, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat?

Zunächst sicher zu der Erkenntnis, dass wir Blogger doch mehr und kreativer sind als gedacht. Vor allem dürfte es zu erweiterten Einsichten und einem breiteren Horizont führen. Schlecht wäre das nicht, in dieser einfältigen, verengten Zeit.

Die Spielregeln der Veranstaltung findet ihr unten. Ganz kurz gesagt: Es geht darum, sich entlang von Blogrolls über fünf Stationen von einem Blog zum nächsten weiterzuhangeln. Und dabei ganz zwangsläufig vom Hölzchen zum Stöckchen zu kommen. Das Ganze lebt vom Weiterlaufen, wo ein anderer stehenbleibt, denn es ist neben einem Hürden- auch ein Staffellauf.

Als guter Pionier und Startläufer bin ich mal als erster mit der Machete durch den Blog-Dschungel gezogen. Ich bin bei Annika losgegangen, die ich aber virtuell schon ziemlich gut kenne. Daher wurde meine erste Station – ausgewählt aus ihrer Blogroll – Herr MiM. Was sich daraufhin insgesamt ergab, war eine Mischung aus Staunen, Schnappatmung, Zufall und Karma. So sieht das bei mir aus:

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Hürdenlauf-Protokoll: Zeilensturm

1. Annika => Herr MiM: Persönliche Anmerkungen, 4. August 2018

Ich platze ahnungslos in ein fremdes Privatleben, oder, anders ausgedrückt, in das Waschen schmutziger Familienwäsche. Dringlichkeit, Ratlosigkeit und Bitterkeit schwingen in den Zeilen mit. Warum teilt jemand so etwas Intimes mit unbekannten Idioten wie mir? Dieses Bedürfnis habe ich noch nie wirklich verstanden. Aber dran hängen gebleiben bin ich trotzdem.

2. Herr MiM => Pressepfarrerin: Barcamp Ökumene, 13. Mai 2018

Was ist das? Eine bloggende Pastorin? Tatsächlich, ein geistlicher PR-Profi der Amtskirche. Worüber bloggt so jemand? In diesem Fall über das letzte Social Event für aufgeweckte Christen, die mit der Zeit gehen. Klarer Fall von Idiosynkrasie. Mein Zorn auf die Kirche quillt beim Lesen gleich wieder empor. Und dennoch kann man mich mit Gott aus der Reserve locken.

3. Pressepfarrerin => Dorothee Janssen: Voll auf die Fresse, 11. April 2018

Eine christliche Gemeindereferentin der Generation 55+ (Selbstauskunft) hat gefühlt “voll auf die Fresse bekommen”, weil ein Kollege im kirchlichen Dienst ihre Website “doof” fand. In diesem auffällig juvenilen Stil kommt sie von da aus ansatzlos auf einen Professor zu sprechen, “der völlig geflasht vom Archiv des Vatikan ist”. Früher hätte das sicher als würdelos gegolten.

4. Dorothee Janssen => Frauen und Islam: Zitat des Tages, 21. Juli 2018

Ich komm aus der Religionsnummer nicht mehr raus! Hier bietet eine Muslima namens Saxhida, über die man sonst nix erfährt, immerhin eine konsensfähige Weisheit an: “Manch einer verwechselt den gelebten Glauben im Alltag mit dem Verlangen Streit mit Andersgläubigen anzufangen, um zu beweisen, dass der eigene Glaube die absolute Wahrheit ist.”

5. Frauen und Islam => Bunt und farbenfroh…: Die Sache mit dem Frosch, 6. Februar 2018

Frau Schmidt aus Berlin bloggt allgemein über die Buntheit, die unser Leben bereichert. Deshalb geht es in diesem Beitrag zur Warnung um das leuchtende Blau, das in Wahrheit ein stumpfes Braun sei. Den Segen der Mainstreammedien – verbrieft durch das Gütesiegel der Brigitte Mom Blogs – hat sie bei dieser Mission jedenfalls. Und viele Schwestern im Geiste.

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So funktioniert der Blogger-Hürdenauf (Copy and Paste, please):

Dein Beitrag startet, wo dieser hier endet. Nimm dir die Blogroll/Blogliste des fünften von mir kommentierten Blogs vor. Von dieser Liste klicke eines an. Das ist nun deine Station 1. (Aber nur, falls es selbst eine Blogroll hat, sonst ein anderes Blog der aktuellen Blogroll auswählen! Diese Bedingung gilt logischerweise immer.)

Lese im Blog 1 einen Beitrag, den du auch verlinkst, und schreibe nur drei Zeilen darüber: Lob, Kritik, Erstaunen, Fassungslosigkeit, Dank, whatever.

Nun klicke auf ein Blog der Blogroll von Station 1. Hat dieses seinerseits eine Blogroll? Sehr gut, dann ist es Station 2. Lese einen Beitrag … verlinke … schreibe drei Zeilen …

Und so noch drei Mal. Bis einschließlich Station 5. Deine Arbeit ist fast getan: fünf Reisenotizen zu fünf Blogbeiträgen. Nur noch diese Regeln hier anhängen – fertig!

Nun muss jemand anderes den Staffelstab (und vielleicht sogar mehrere) bei der Blogroll des letzten in deinem Beitrag kommentierten Blogs übernehmen – und fünf weitere kommentieren.

Vielen Dank für den gemeinsamen Streifzug durch die Meinungsvielfalt!