Heute morgen hat Donald J. Trump über sein privates Social Network eine weitere bedeutende Botschaft an die Welt gerichtet. Und ich Idiot habe sie nicht nur gelesen, sondern auch noch gedanklich verarbeitet. Versuch einer spirituellen Reinigung.

Ich habe in diesem Magazin kürzlich schon einmal eine für Trump-Verhältnisse komplexe Textbotschaft des US-Präsidenten übersetzt, weil sie einen neuen Meilenstein an menschlicher Widerwärtigkeit darstellte. Heute muss ich einen Schritt weiter gehen und die aktuelle Tagesmitteilung nicht nur aus dem Deppen-Englischen ins Deutsche übertragen, sondern auch noch eine Textanalyse hinzufügen.

Fragen Sie mich nicht, warum das notwendig ist. Sagen wir einfach, es ist ein kathartischer Reinigungsprozess. Und irgendwer muss doch für die Geschichtsbücher festhalten, auf welch ebenso primitivem wie egomanem und hasserfülltem Niveau die gefährlichste Schaufensterfigur des „freien Westens“ denkt und kommuniziert. Von Repräsentanten eines totalitären Systems wie demjenigen des Iran erwartet man nichts anderes. Aber den Präsidenten der USA halten viele von Amts wegen immer noch für eine Respektsperson. Auch wenn er das hier veröffentlicht:

Übersetzung und Interpretation:

Bitte was, zur HÖLLE geschlagt? Nun, sorry, das steht da so: „being beat to HELL“. Der funktionale Analphabet Trump wusste nicht, dass das past participle in seiner eigenen Sprache korrekt „beaten“ heißt. Aber selbst „beaten to HELL“ wäre laut KI-Analyse „informell und sehr krasse Umgangssprache“. Je nach Kontext, empfiehlt die künstliche Intelligenz, wäre eine neutralere Formulierung wie „ernsthaft getroffen“ oder „schwer angegriffen“ besser. Sicherlich – nur ist das offizielle Statement des Präsidenten der USA zu einem von ihm befehligten, weder vom US-Kongress noch vom Völkerrecht abgesegnten Angriffskrieg kein Anlass, zu dem solch ein Stil ratsam oder angemessen wäre.

Stilistisch weniger angreifbar, wenn auch in der Aneinanderreihung unbeholfen. Nur eine Kleinigkeit namens „Wahrheit“ steht diesem Satzteil ein wenig entgegen. Irans Staatspräsident hat keineswegs „kapituliert“, schon gar nicht gegenüber den Nachbarstaaten. Eine Kapitulation ist nur Trumps feuchter Traum, von dem er dachte, er werde innerhalb der ersten 48 Stunden seines Überfalls in Erfüllung gehen. Die schweren Drogen, unter denen der Präsident steht, erlauben ihm allerdings nicht, exakt zwischen Traumwelt und Realität zu unterscheiden. Und was das Versprechen angeht, die Nachbarstaaten „nicht mehr zu beschießen“: Da gab es nur noch die kleine Randbedingung, dass vom Territorium der Nachbarn mit ihren zahlreichen US-Basen kein Schlag der Angreifer ausgehen dürfe. Nicht ganz dasselbe wie die schlichte Verallgemeinerung Trumps.

Dieses Versprechen wurde in der Form überhaupt nicht gegeben, siehe oben. Und in der konditionalen Form nur zur Klarstellung, dass die Gegenschläge des Iran nicht den islamischen Brudervölkern gelten, sondern deren von den USA korrumpierten Regierungen, die dem Agressor Militärbasen und Überflugsrechte oder gar Söldnertruppen zur Verfügung stellen.

„Sie“ im Plural ist hier verwirrend, weil man „sie“ sprachlogischerweise auf die zuvor erwähnten Nachbarstaaten des Iran beziehen müsste, die also den Mittleren Osten übernehmen wollten – was natürlich Bullshit ist, aber nur den fehlenden Grundkenntnissen des Präsidenten in der Schriftsprache geschuldet. Lustigerweise kann man das „Trachten“ im Plural aber auch auf die USA und Israel beziehen – was einem Freudschen Versprecher bzw. Verschreiber gleichkäme. Der Mann muss auf seiner Wahrheits-Plattform aber auch jedes Wort ganz ohne Helfershelfer alleine in die Tasten hauen, Herrgott! Ein wirklich unterbezahlter Job. Tatsächlich meinte der höchste Vertreter der US-Intelligenz natürlich: „Sie, die Iraner, trachteten danach …“ Denn schließlich haben vor einer Woche die Iraner den Mittleren Osten überfallen. In Trumps armem Kopf.

Richtig. Genauer gesagt: seit Gründung des Universums vor 13,8 Milliarden Jahren. Trump war damals dabei, beim Urknall, und schrieb ein historisches Protokoll. Den Iran gibt es offiziell erst seit 1935, vorher war es Persien. Es wurde beispielsweise ab 1219 von den Mongolen erobert, 1723 marschierte eine russische Armee ein, das Osmanische Reich knöpfte Persien bis 1736 wichtige Städte und Gebiete ab. Genau genommen saß 1748 zum ersten Mal wieder ein persischer Herrscher auf dem Thron – nach einer Fremdherrschaft von 850 Jahren. Aber egal. Trump hat ein YouTube-Video auf seinem iPhone, in dem die gestrige Jahrtausendniederlage in Takatukaland ganz klar erklärt wird.

„Sie“ sind hier wiederum, lassen Sie mich zurückspulen, Moment, ja, genau: die umliegenden Staaten des Mittleren Ostens. Soll niemand sagen, der Mann verstünde sich nicht auf Spitzendiplomatie. Oder auf gepflegte Umgangsformen. Genau so wird es sich zugetragen haben. Vielleicht hat dieses Dutzend von Nationen auch einen Chor entsandt, der vor dem Weißen Haus spontan seinen Dank vorgetragen hat – zwölfstimmig. Und dann wachte Trump auf.

Ich dachte, das hätten sie schon.

… und nicht nur teilweise!

Es sind solche Sätze des Oberkommandierenden, die mir das Blut in den Adern gerinnen lassen. Könnten sie doch Code sein für: „Lass uns heute endlich die Nukes über Teheran abwerfen, wenn wir das Zeug doch im Überfluss haben!“ Andererseits kann man nie wissen, ob Trump hier nicht seinen Sexualphantasien aus der guten alten Epstein-Epoche noch einmal freien Lauf lässt. Die Erinnerung an all die lustvollen Schläge muss doch in diesen harten Zeiten schlichtweg überwältigend sein.

Tatsächlich ist es sehr schlechtes Benehmen, wenn eine Nation, bloß weil die vereinte Kriegsmaschine einer atomaren Supermacht und einer weiteren Atommacht sie mitten in diplomatischen Verhandlungen, die bereits einen entscheidenden Durchbruch gebracht haben, hinterrücks angreift, den von Millionen verehrten, 86-jährigen geistlichen Führer in die Luft sprengt, „wahrscheinlich“ mindestens 150 kleine Mädchen in einer Schule in Fetzen reißt und daraufhin täglich Bevölkerungszentren mit Bomben belegt, sich auch noch zum militärischen Widerstand erdreistet. Wo kommen wir denn da hin? Nein, nein, da muss es gehörig einen auf die Finger geben!

Hier zeigt Trump seine humane Seite: Er bringt nicht einfach sofort alle um, einschließlich aller Frauen und Kinder und Krüppel, sondern zieht das erst mal nur ernsthaft in Betracht. Eigentlich zu soft für diese Welt, der Mann.

Ja, ich danke Ihnen auch schön, dass Sie mir und ihrer MAGA-Base („USA!!! USA!!!“) das alles so geduldig erklärt haben, Herr Präsident. Wissen Sie, diese direkte Kommunikation eines um den Nobelpreis betrogenen Friedensfürsten, der nach eigener Auskunft „acht Kriege beendet hat“, mit mir kleinem Mann aus dem Hinterland Ihres bigotten und auf Kinderleichen gebauten Imperiums – diese menschliche Größe rührt mich beinahe zu Tode.