Unsere Welt ist klein geworden. So klein wie eine Gummizelle: gut gepolstert, ausbruchssicher, überfüllt. Ein Elektroschock am einen Ende pflanzt sich bis zu den Insassen am anderen Ende fort. Und wir stecken mittendrin – woran TWASBO in dieser Reihe erinnert.

Apothekensterben von seiner bizarrsten Seite: Bevor diese Drogenbutze in Hamburg kürzlich ihre Tür für immer schloss, verhängte die Apothekerin das Schaufenster noch ein letztes Mal mit Hühnerbildern. Ja, warum denn auch nicht? Hühner gelten immerhin seit der Antike als heilige Heilvögel; den Wirkstoff Huhnin in der Hühnersuppe kannte Großmutter noch als hochwirksames natürliches Antibiotikum. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Ex-Apotheker!

Aber auch für weniger fanatische Freunde des Gefieders und Veganer gab es etwas Schönes in der Auslage des dahinscheidenden Medizinialienfachgeschäfts: diese Trockengräser-Dekoration mit floralen Applikationen nämlich. Gerade noch rechtzeitig vor dem allerletzten Erntedankfest. Ähre, wem Ähre gebührt!
Übrigens ist am Tod genau dieser und aller anderen „physischen“ Apotheken allein Günther Jauch schuld. Glauben Sie nicht? Schreibt aber das Hamburger Abendblatt. Der Promi werbe nämlich für einen niederländischen Internet-Lieferanten von Arzneiprodukten, der nicht auf kostspielige Filialen angewiesen und daher vergleichsweise preiswert sei. Puh! Und ich dachte, die deutschen Apotheken stürben wegen ihrer legendären Apothekenpreise.
Was aber, Neuseeland, stimmt mit dir nicht? Gut, die Leute da können nichts dafür, dass ihre Tierwelt – ähnlich wie in Madagaskar – vollkommen aus dem Ruder gelaufene Arten hervorgebracht hat, die nebenbei gerne fünf Mal so groß werden wie ihre Vettern in vernünftigen und gemäßigten Breitengraden. Aber mussten die Neuseeländer deswegen eine kotzende Entenart zum Vogel des Jahres 2023 wählen? Dieser Spaßvogel namens pūteketeke frisst seine eigenen Federn, um sich übergeben zu können und sich so von Parasiten im Magen zu befreien. Ja, Mahlzeit!
Und das war keine einmalige Miss-Wahl der Hobbits aus dem Auenland down under. Im vergangenen Jahr kürten sie den Gelbaugenpinguin, von den Ureinwohnern auch hoiho genannt, zum Nachfolger der pūteketeke. Nun sind nicht etwa die gelben Augen das bestechendste Merkmal dieses Pinguins. Nein, es ist sein einzigartiger Gestank nach Fisch. Der wirkt unwiderstehlich auf Hunde, die mit dafür gesorgt haben, dass der hoiho heute vom Aussterben bedroht ist. Ich meine, wer sind wir, gegen Darwins Gesetze der natürlichen Selektion stimmen zu wollen?
Es geht aber noch weiter: Schon im Jahr 2022 amüsierten sich die Neuseeländer mit der Einrichtung sogenannter Weta-Hotels. Weta ist eine gigantische, flügellose Heuschreckenart. Und mit gigantisch meine ich: groß wie eine ausgestreckte Männerhand, schwer wie ein Sperling. Natürlich nachtaktiv, damit man die Tierchen auch mit ins Bett nehmen und dort mit ihnen spielen kann. Denen bauten die Neuseeländer nun landesweit zigarrenkistenförmige „Hotels“, um sie zu mehr Nachwuchs anzuregen ihre stark geschrumpfte Zahl wieder schön ins Astronomische zu steigern.
Und wenn das noch nicht reichte: Darf ich Ihnen Ned vorstellen, die linksdrehende Gartenschnecke? Auf ihren Vornamen taufte sie der neuseeländische Volksmund in Anspielung auf den linkshändigen Nachbarn der Simpsons, Ned Flanders. Eine Journalistin aus der Gegend von Wellington fand Ned bei Gartenarbeiten. Sein Schneckenhaus spiralisiert nach links statt nach rechts, was nur bei einem von 40.000 Exemplaren vorkommt. Damit sitzen aber auch die Reproduktionsorgane andersrum, was Ned eine Paarung fast unmöglich macht. Doch dank der Neuseeländer gibt es nun eine Kampagne, um für Ned ein ebenso linksdrehendes Partnerweichtier zu finden. Auf der Suche danach graben sich Tausende auf dem Kopf stehende Menschen derzeit durch ihre Vorgärten. Ich hoffe nur, sie kommen dabei nicht auf unserer Halbkugel raus.
Die folgende Texttafel mit hilfreichen Erläuterungen zum Weltgeschehen hängt an der Wand eines deutschen Kunstmuseums, und zwar der Pinakothek der Moderne in München. In einem Saal mit dem programmatischen Titel Lampedusa drehen sich dort alle ausgestellten Werke um moderne Völkerwanderungen bzw. „Geflüchtetenströme“:

Man beachte gleich zu Beginn die innovative Formulierung „Gehen und Kommen“, mit der das Augenmerk der vertrauten Wendung „Kommen und Gehen“ gleich mal dauerhaft aufs Kommen verschoben wird. Während auf das Kommen, etwa von Gästen, früher zuverlässig irgendwann auch wieder deren Gehen folgte, heißt es in Deutschland heute: alt raus, neu rein. Gehen und Kommen eben.
Dieses freie und unbehinderte Wandern von Nation zu Nation ist nämlich ein gottgewollter Naturzustand, weshalb er unserer Aufnahmegesellschaft auch in keiner Weise schaden kann und freudig akzeptiert werden muss. Jede Skepsis, jede Warnung, jede Verzweiflung wegen offensichtlicher Überforderung der indigenen Bevölkerung durch Millionenheere von versorgungsintensiven „Ankommenden“ ist laut Texttafel ein „gewaltvoller Akt“ bzw. ein „rassistisches Denkmuster“ bzw. „systemische Diskriminierung“. Die „Lebensrealitäten von migrierenden Menschen“ (es sind Menschen, keine Roboter!) sehen halt anders aus als die Wirklichkeit von „denen“ (vermutlich Roboter), die „an einem Ort die Mehrheit bilden“.
Was die Museumspädagogen dann lieber doch noch nicht auf ihre Tafel schrieben: „… derzeit noch die Mehrheit bilden“. Aber schauen Sie doch in zehn Jahren noch mal in der Pinakothek der Moderne vorbei.
Das Kleingedruckte in der Werbung, Folge 2.824:

1935. Ein gutes Jahr, um in Deutschland mit Rechtsschutz begonnen zu haben. All diese Nachfrage! Unsere Herkunft ist unsere Zukunft.
Noch ein wenig mehr Originaltext zum Schluss? Bitte sehr! Abteilung postpubertärer Qualitätshumor:

Tut mir leid, aber ich bin verwirrt: Warum schickt man mir diese Ankündigung? Ich bin ja nicht mal bei YouPorn oder PornHub oder wie das alles heißt. Geschweige denn, dass ich ein Wix-Premiumpaket in Anspruch nehmen würde. Bisher ging es noch immer ohne! Das heißt, dunkel schwant mir, dass ich tatsächlich im Zusammenhang mit irgendeinem Kunden kurzzeitig ein „Produkt“ bzw. „Paket“, wenn nicht gar eine ganze „Plattform“ namens Wix nutzen musste. Aber ich schwöre, ich habe nie dafür bezahlt! Und dass meine „Kund:innen“ angeblich Wix-Premiumpakete gebucht haben, schockiert mich aufrichtig. Ist ihr Leben denn so leer, dass es da nicht zumindest einen verständnisvollen Artificial Companion gibt, wie das heute wohl heißt? Oder von mir aus eine analoge, aufblasbare Gummipuppe inkl. sogenannter „Lustgrotte“? So was hatte man, als ich jung war. Meine ich gehört zu haben.
Nebenbei: Was geht es mich an, wenn andere für ihre Sexualbefriedigung mehr bezahlen müssen? Ich verstehe diese neue Welt nicht mehr. Und was für eine Verlängerung? Und warum bei „Premium“-, aber nicht bei „Studio“-Paketen? Ach, ich bin alt. Aber deswegen immer noch flink bei der Hand, hömma!
Das Schöne an „migrierenden Menschen“ ist ja, dass der Migrationsvorgang bei ihnen noch nicht abgeschlossen ist und weiterhin läuft, wodurch ihre Ausschaffung dann keine Remigration mehr ist und man also auf zumindest einen der Reizbegriffe in der Migrationsdebatte getrost verzichten kann, ohne gleichzeitig sein inhaltliches Konzept mit abzulegen.